Shape the day – ein Selbstversuch

Seit 6 Monaten liegt der leberwurstfarbene Traum jetzt in meinem Schrank. Skeptisch begutachte ich ihn regelmäßig. Jetzt ist es soweit: Mir steht ein Tag in Shapewear bevor. Das einstige Shootingüberbleibsel wird nun einen ganzen Tag lang mein Begleiter. Freude kommt auf. Ich bin neugierig, aber vor allem skeptisch. Es sieht schon so unbequem aus…

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Wir alle kennen das Problem, dass der Stretchrock, der morgens eigentlich ganz passabel aussah, wenn man sich leicht seitlich in gutem Licht vor den Spiegel stellte, nach dem fetten Mittagessen doch irgendwie etwas in der Bauchgegend spannt. Natürlich genau da, wo der kurze modische Pulli endet, damit es auch ja nicht übersehen wird…  Das kann mir jetzt nicht mehr passieren, dafür habe ich jetzt das fleischfarbene Monster von H&M. Eine Notbremse behalte ich mir aber vor. Ich hielt die Zeiten des Ersatzhösschens in der Handtasche zwar seit langem für beendet, doch bevor ich im Büro die Wände hochsteige… Aber das wird bestimmt prima. Es soll ja was bringen, gemütlich war gestern.

9 Uhr, das Hösschen sitzt

Ich bin jetzt drin. Da das Teil ähnlich verpackt war wie eine Strumpfhose, ist das ein bisschen wie das Öffnen eines Ü-Eis. Oh man… Das Höschen endet knapp 2 cm unterhalb meines BHs und mir ist schlagartig sehr warm. Oben steht es leicht ab, wohl etwas weit, und unten drückt es auf die Blase. Na super. Nach etwas zubbeln sitzt es dann relativ gut und eng am Bauch. Es hat eine kleine Raffung am Po, die den Po hebt und mir effektiver erscheint als der Bauchteil….

Im Bus zur Redaktion werde ich fast wahnsinnig. Ich HASSE diese Raffung! Ich bin kurz vorm Durchdrehen. Das Höschen wäre dank der Raffung gern ein Tanga und der Gummizug ist in etwa so weich wie diese Gummis, mit denen man Marmeladengläser verschließt.

13.30 Uhr, das Höschen hält

Die Zeit bis zur Mittagspause verging wie im Fluge. Gut abgelenkt vergisst man jedes schlecht sitzende Kleidungsstück. Kennt Ihr das Gefühl, wenn man soviel Muskelkater im Bauch hat, dass er so hart ist, dass Essen weh tut? So fühlte sich Essen an. Ich esse gerne, sehr gerne, aber so… Doch das Monster hält, was es verspricht, mein Musterrock schaut nach dem Essen noch genauso kleingemustert aus wie vorher.

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Für den Nachmittag liegt ein Fotoshooting an, dass spielt mir in die Karten. Ich kann dabei gut abschalten und mich voll darauf konzentrieren. So merke ich das Monster tatsächlich erst wieder am späten Abend beim Kochen. Ich finde Stehen auf einmal unglaublich anstrengend in der Bauchgegend. Selten habe ich mich so darauf gefreut, mich umzuziehen… Doch eine Prüfung steht dem Leberwursttraum noch bevor: der kritische Blick eines Mannes. Immerhin ist mein Bauch damit flacher und mein Hintern gefühlt 5cm weiter oben und erstaunlich rund.

21 Uhr, das Höschen fliegt

Sein Lachen und irgendwie leicht angwiderter Blick geben mir den Startschuss in die Jogginghose. Ohne Leberwurtsttraum. Ich war noch nie so schnell ausgezogen. Aber auch erschrocken: Mein Bauch hat lauter rote Dellen. Wie zusammengepresst. Sieht ein bisschen aus wie Cellulite. Na danke…Und ich habe Muskelkater im Bauch. Naja, vielleicht bringt der ja wenigstens was!

Mein Fazit:

Auf dem roten Teppich würde ich mir damit sofort ein paar Kilo wegmogeln, zum Date oder im Alltag würde ich es nie wieder anziehen. Da ist Spitzenwäsche auf jeden Fall auch mit Bäuchlein besser fürs Selbstbewusstsein und Körpergefühl. Und man kann ohne Schmerzen essen.

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