Kolumne… Die Sache mit dem Anhängsel

Es ist soweit, meine Tickets liegen vor mir, die letzten Teile werden in den Koffer gequetscht. Es ist das dritte lange Auslandsprojekt meines Freundes und ich besuche ihn. Nicht, dass ich vorher nicht eingeladen war, aber zum einen gibt es da ja noch das eigene (Arbeits-)Leben, aber auch diese Hemmschwelle.

Natürlich könnte ich mich einfach freuen, die meist 30-40-köpfige Crew kennenzulernen und ein fremdes Land zu besuchen. Klingt eigentlich ziemlich Bombe. Stattdesssen bin ich nervös und besorgt. Ich will mich nicht aufdrängen (obwohl ich ausdrücklich eingeladen wurde und sogar vom Flughafen abgeholt werde), nicht klammern (ich wurde immernoch eingeladen) und bekomme plötzlich Panik vor der Sprachbarriere. Mein letzter Londontrip endete damit, dass ich mit einem wildfremden Kerl im Club darüber debattiert habe, ob Hillary Clinton den Blowjob ihres Mannes aus Kalkül (meine These) oder aus Glauben an die Ehe verziehen hat und ob sie daher nun extra tough oder schwach ist und wir gingen um drei Uhr nachts eine Pizza essen. Sollte also auch kein Problem werden. Aber was ist das Problem?

Das Anhängsel-sein. Wir sind immer seltener „die Freundin von…“. Wir sind eigenständig und fahren prima damit. Wo wir hin wollen, gehen wir hin und Emanzipation sei Dank ist unser Partner ein cooles Plus, ein Sahnehäubchen auf unserem eh schon geilen Leben, aber eben kein Überlebenswerkzeug, weil wir auch mal raus wollen.

Da wir alle Superwomen sind, wollen wir auch jetzt eine Bombenfigur machen. Wenn Anhängsel, dann aber richtig. Da werden Beine eppiliert und mit Masken beschmiert (gegen Cellulite, weil Sport, dafür ist dann jetzt zu knackig), Nägel lackiert und Panikattacken geschoben.

Klingt ziemlich gestört. Vielleicht wäre es einfacher, wenn wir Mädels uns einfach mal überlegen, dass wir nicht das Anhängsel dieses Wahnsinnskerls sind, sondern er seine Kumpels/Kollegen/Chefs mit uns beeindrucken will. Weil eigentlich sind wir schon alle ziemlich geil.

QuoteEin bisschen mehr Selbstliebe, bitte! Denn selbst wenn der Kerl der Wahnsinn ist und jede haben könnte, er hat uns aus gutem Grund genommen.

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