Ingwer liest…Tipps fürs Wochenende

Wieder ist eine Woche rum, wieder bin ich gefühlt zu nichts gekommen. Seit wann sind unsere Tage und Nächte eigentlich so voll gepackt, dass wir uns tatsächlich erwachsen vorkommen? Wo ist nur all die Freizeit hin, von der wir früher so viel hatten und die wir während unserer Schulzeit ganz eindeutig unterschätzt haben? Gut, eine Runde Mitleid für uns alle reicht. Ist ja Wochenende jetzt! Juhu! Endlich ein bisschen Zeit, um mir die unzähligen ungelesenen Zeitschriften und Bücher, die sich auf meinem Küchentisch und in meinem Wohnzimmerregal bis in endlose Sphären stapeln, vorzunehmen – und auch den Berg auf meinem virtuellen Wohnzimmertisch.

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Denn wie das heute in unserer rasanten Digitalgesellschaft nunmal so ist, komme auch ich keine fünf Minuten mehr ohne Handy aus, ob auf dem Beifahrersitz im Auto, an der Bushaltestelle oder im Zug. Wenn ich dann morgens also so auf meinem Smartphone vor mich hinscrolle, um auch ja keine Konversation mit den schlecht gelaunten Bahnpassagieren führen zu müssen, finde ich hin und wieder wirklich, wirklich spannende einzelne Texte oder ganze Blogs. Aber einen dreiseitigen Artikel oder eine ellenlange DIY-Anleitung auf dem Handy-Bildschirm lesen, während mir dabei im morgendlichen Pendlerchaos mindestens zehn Leute auf die Füße trampeln? Danke, nein. Also mache ich es meistens so: ich schicke mir selbst eine Mail mit dem Link zu diesem Text oder zu diesem Rezept oder zu was auch immer sich mir da so aufgetan hat und schwöre mir, dass ich die Lektüre abends nachhole.

Natürlich – man ahnt es – komme ich am Ende selten dazu, meine eigenen Empfehlungen auch wirklich zu lesen. Weil: Keine Zeit. Aber das ist irgendwann ja auch nur noch eine schlechte Ausrede. Umso mehr ein Grund, etwas zu ändern.
Und weil sich diese Woche einfach schon am Montagmorgen mit ihrem dicken Hintern genau auf mein Gesicht gesetzt und mir damit die Luft abgeschnürt hat, habe ich beschlossen, es ihr an diesem Wochenende heimzuzahlen. An diesem Wochenende mache ich nämlich GAR nichts. Außer: endlich lesen, lesen, lesen. Vielleicht habt Ihr ja auch Zeit und Lust zu stöbern. Falls ja, hier ein paar meiner Lesetipps 🙂

1) Mein All time-Lieblingsblog (direkt nach Ingwer, versteht sich): a pair and a spare

Ich liebe, liebe, liebe Geneva Vanderzeil. Die Australierin, die in Hong Kong lebt und meist von dort aus postet, ist nicht einfach irgendeine Style-Bloggerin, von denen es rund um den Globus gefühlt mehr als Sandkörner an der Atlantikküste gibt und die sich dabei auch noch für etwas ganz Besonderes halten. Ich lese Genevas Einträge jetzt schon seit über zwei Jahren und ich bin immer wieder fasziniert, wie kreativ und vielseitig diese DIY-Queen arbeitet. Ob für den Kleiderschrank oder die Wohnung, Geneva hat immer wieder neue Tipps und Tricks auf Lager, um mit einfachsten Kniffen wunderschöne neue Lieblingsteile und Dekoartikel herzustellen. Ein Projekt, das ich mir bei ihr abgucken werde und das ganz oben auf meiner To Do-Liste steht, ist dieses wundervolle Leiter-Regal. Vielleicht ja auch etwas für Eure vier Wände? 🙂

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2) Ein wunderschöner Text, der uns den Spiegel vorhält und der zum Nachdenken anregt: Warum die Generation Y so unglücklich ist:

Glück = Realität – Erwartungen

So lautet die simple Formel, die uns alle so unglücklich macht. Warum? Vielleicht, weil unsere Erwartungen an uns selbst und unsere Umwelt einfach zu hoch sind. Müssen wir sie am Ende einfach runterschrauben, um endlich zufrieden den einen Weg zu gehen (und nicht die 2980794 anderen möglichen Gabelungen zu nehmen, die uns das Leben täglich anbietet)? Vielleicht ist das ja die Lösung, wer weiß. In jedem Fall ein sehr erhellender und dabei zugleich erfrischend aufgebauter Artikel. Klickt Euch mal rein 🙂

3) Ein kleines, feines Büchlein, das derzeit auf meinem Nachttisch liegt: Etwas, das mich glücklich macht

Bei der langen Nacht der jungen Münchner Literatur habe ich vor knapp zwei Wochen dieses bezaubernde Buch entdeckt: Etwas, das mich glücklich macht. In diesem kleinen, feinen Goldstück hat die junge und noch relativ unbekannte Autorin Tessa Müller, die in München lebt und Kulturjournalismus studiert hat, viele wunderbar witzige Kurzgeschichten über Frauen und ihre Suche nach Glück und Selbsterfüllung im alltäglichen Wahnsinn zusammengetragen.

Die Frauen in diesem Buch machen verrückte Sachen. (…) Und doch ist es das Naheliegendste und Selbstverständlichste. Machen das nicht alle so, wenn es ums Glück geht? Um es zu finden, um es nicht zu verlieren, um es wiederzugewinnen, um es nicht loslassen zu müssen. Denn natürlich kann man das Glück zwingen, wenn man nicht ewig warten will, bis es einem zufliegt.“

Augenzwinkernd, erfrischend und auch ein klein bisschen lehrrreich…

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4) Mein absoluter Lieblings-Foodblog: Krautkopf

Achtung, es besteht Sabber-Gefahr. Auf ihrem Blog Krautkopf stellen die beiden Berliner Fotografen Susann und Yannic mit viel Liebe zum Detail und einem Händchen für Ästhetik ihre vegetarischen Rezepte vor. Wäre ich nicht eh längst Vegetarierin, spätestens bei diesen Menüs würde ich wohl konvertieren. Mal davon abgesehen, dass man Essen wahrscheinlich gar nicht schöner inszenieren kann. Klickt Euch mal rein, es looooohohohont sich!

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5) Inspiration: Humans of New York

Ein Blog, der mich in den vergangenen Wochen sehr inspiriert hat. Der Fotograf Brandon Stanton läuft mit seiner Kamera durch die Straßen der amerikanischen Metropole und fängt so ihre Menschen ein. Und deren Geschichten. Denn jeder, den Stanton fotografiert, erzählt auch etwas. Über seine Träume, sein Tattoo, seine Eltern. Ganz egal. Manchmal ist man verwundert, wenn man das alles so lies, manchmal begeistert, manchmal traurig und manchmal einfach inspiriert. Weil all diese Menschen so ehrlich, so mutig und so zuversichtlich sind. Und ihre Gedanken und Gefühle so offen mit dem Fotografen und damit auch mit dem Leser teilen.

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen 🙂

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