Kolumne…Ein bisschen Melancholie

Ihr kennt das sicher, zumindest die (ehemaligen) Studenten unter Euch – Klausuren, Hausarbeiten oder gar die Abschlussarbeit zwingen einen nicht selten dazu, für eine gewisse kurze oder auch längere Zeit völlig abzutauchen. Keine Party, kein Ausgehen, keine Freunde und Familie. Nur: die Bücher, das Notebook und viel, viel Kaffee. Erst am Ende der stressigen Phase heißt es wieder auftauchen aus der dunklen Hölle, zurück ins Sonnenlicht und unter Menschen. Und vor allem: wieder frei sein und den inneren Schweinehund ohne schlechtes Gewissen von der Leine lassen.

Gegen Ende des Studiums mischt sich aber nach den letzten bestandenen Klausuren und trotz aller stressigen Momente inmitten der Abschlusszeit ein weiteres Gefühl dazu: Wehmut. Damit es keine Missverständnisse gibt: nichts ist schöner als die Gewissheit, dass man die eigene Nase nie wieder in die Lernunterlagen der Hassfächer stecken muss. Aber das Wissen darum, dass sich der eigentlich ja doch ganz liebgewonnene Rhythmus bald selbst überholt, dass man die Studienfreunde, die man so ins Herz geschlossen hat, bald nicht mehr jeden Tag in der Uni sieht, dass bald ein ganz neuer Lebensabschnitt mit großen und wichtigen Entscheidungen ansteht – all das lässt den manchmal so verhassten Klausur- und Hausarbeitsstress auf einmal als das wesentlich kleinere Übel erscheinen.

Aber, und das wissen wir nicht erst seit vorgestern: alles Schöne geht irgendwann einmal zu Ende. Und eigentlich ist das auch gar nicht so schlimm, weil immer schon ein neues Erlebnis, ein neues großartiges Abenteuer auf uns wartet. Trotzdem, ein bisschen Melancholie ist erlaubt. Ich für meinen Teil versuche gerade, das Studentenleben in all seinen Zügen und Facetten noch einmal richtig zu genießen. Dazu gehört, man glaubt es kaum, auch der veschlafene Gang in die Bibliothek, das Wälzen von Büchern, das Fluchen vor dem Laptop. Und einfach das Gefühl, noch so viel vor sich zu haben.

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