Auf nächtlicher Schatzsuche

Oh, wie ich Schatzsuche früher geliebt habe! Wer erinnert sich nicht an kunterbunte Kindergeburtstage, an denen die kleinen Gäste aufgeregt durch den Garten wanderten, immer der „Piraten-Schatzkarte“ nach, um schließlich überglücklich eine kleine Holzkiste im Wald oder im Sandkasten auszubuddeln? Darin befanden sich doch tatsächlich wertvolle Schätze! Etwa leuchtende Lollis, Glitzerschmuck und der eine oder andere Groschen. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei allen Piratenmüttern und -vätern (bei der Zahnfee, dem Christkind, Onkel Nikolaus, dem kleinen Osterhasen usw sowieso..) bedanken: Eurem Einfallsreichtum haben wir aufregende Entdeckungsreisen quer durch Blumenbeete und abenteuerliche Schatzsuchen im Wald zu verdanken. Ihr habt unsere Kindheit bereichert – und das nicht nur durch die Perlen und Edelsteine.

Die Schatzsuche hat für mich ihren Charme bis heute nicht verloren. Auch, wenn sie sich mittlerweile dann doch ein wenig anders gestaltet – spannend und aufregend ist sie nach wie vor. Erst kürzlich habe ich mich wieder auf eine solche begeben. Der Nachtflohmarkt im ehemaligen Güterbahnhof in Köln-Ehrenfeld hat mich regelrecht zu sich gerufen.

Wer schon einmal dort war, weiß, dass mein kleiner Vergleich mit einer Schatzsuche auf dem Kindergeburtstag nicht völlig abwegig ist. Denn auch dort schlagen die Herzen vor Aufregung und Entzückung höher, auch dort muss man graben, um die wirklich schönen Dinge ans Tageslicht zu befördern.

Mitten auf dem Industriegelände in Ehrenfeld, nahe der beliebten Live Music Hall und dem Underground, findet der Flohmarkt alle zwei Wochen statt.


Normalerweise sind die Stände nicht nur in der alten Halle aufgebaut, sondern auch draußen. Wenn es regnet – am vergangenen Wochenende übrigens wieder mal in Strömen – drängeln alle nach drinnen. Dann ist es dort natürlich umso voller.


Wer Menschenmengen nicht leiden kann, der sollte vielleicht einen persönlichen Einkäufer vorschicken. Denn ein wenig Mut und vor allem viel Geduld braucht man dann schon. Schatzsuche ist eben ein allseits beliebtes Hobby.

Mit ein bisschen Ausdauer lassen sich aber viele kleine, große, alte, romantische, verspielte, rockige, schöne, lässige, verrückte Dinge finden, die einen wieder in das Kindergeburtstags-wenn-die-Schatztruhe-zu-Tage-befördert-wird-Feeling erinnern.


Was ich beim Nachtflohmarkt in Ehrenfeld besonders mag: das Publikum. Nicht nur, dass alle irgendwie seeehr relaxt sind. Bei Live-Musik gönnen sich viele erst einmal ein gemütliches Bierchen oder einer leckere Holunder-Fassbrause. Wenn man sich so umschaut, kann man sich aber auch outfitmäßig inspiereren lassen. Die meisten sind sehr stylish gekleidet und suchen in der alten Fabrikhalle nach neuen Accessoires für ihren ganz persönlichen Stil.

Als absolute Taschen-Liebhaberin war ich beeindruckt, wie viele wunderschöne alte Ledertaschen manch ein Stand zu bieten hatte. Ein größeres Sammelsurium habe ich auf einem Flohmarkt bisher nur auf dem am Mauerpark in Berlin erlebt.


Ein Besuch in Ehrenfeld lohnt sich in dieser Hinsicht also mit Sicherheit. Aber auch an Kleidung wird allerhand angeboten. Wer dem Nachtflohmarkt einen Besuch abstatten will (und den kann ich sehr empfehlen!), der sollte auf jeden Fall mindestens eine gute Stunde Zeit mitbringen. Denn es lohnt sich wirklich.

Auch, was die Atmosphäre angeht. Das Stöbern in alten Schätzen hat, umrahmt von Neonlicht und Industrie-Flair, einen ganz besonderen Charme.

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